Privatwirtschaftliche Kapitalgeber

Privatwirtschaftliche Kapitalgeber in der Krise

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Bei der Finanzierung in der Krise denkt man eher weniger an die Kapitalgeber aus der Privatwirtschaft, dabei kann diese Finanzierungsgruppe sehr effektiv und mit einer hohen unternehmerischen Kompetenz Unterstützung leisten. Die Bandbreite der angebotenen Finanzierungsinstrumente erstreckt sich von Fremdkapital über Mezzanine bis hin zu Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen an Eigenkapital.

Fremdkapital: Debt-Fonds

Debt-Fonds sind Finanzierungsunternehmen außerhalb des Bankensektors, die Fremdkapital zur Verfügung stellen. Die Fonds werden i.d.R. aus Geldern von privaten oder institutionellen Investoren gespeist. Je nach Anlagepolitik und Risikopräferenz des jeweiligen Finanzierungsanbieters stehen diese Mittel zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen unter Einbindung eines Finanzinvestors (LBO), zur Finanzierung operativen Wachstums oder in Distressed / Special Situations zur Finanzierung von Unternehmen mit Liquiditätsproblemen bzw. zur Finanzierung von Restrukturierungsmaßnahmen zur Verfügung.

Debt-Fonds können insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – wie in der jetzigen Corona-Krise – eine attraktive Alternative gegenüber der Finanzierung von Banken darstellen. Je nach Situation und Finanzierungsanbieter können auch größere Finanzierungsvolumina zur Verfügung gestellt werden.

Mezzanine-Kapital: Mischform

Mezzanine Kapital ist ein Sammelbegriff von Finanzierungsarten, die in Ihrer wirtschaftlichen Ausgestaltung Eigenschaften sowohl von Fremd- als auch von Eigenkapital aufweisen. In der klassischen Form ist Mezzanine gegenüber dem Fremdkapital nachrangig und stärkt somit die Eigenkapitalbasis. Den Mezzanine-Kapitalgebern werden jedoch keine Stimm- oder Einflussnahmerechte vergleichbar mit den echten Gesellschaftern gewährt. Die Konditionen von Mezzanine-Kapital-Finanzierungen sind sehr unterschiedlich, und hängen von der jeweiligen Ausgestaltung ab: Laufzeit (typisch 7 bis 10 Jahren), Kündigungsmöglichkeiten (z. B. bei Unterschreitung einer vorher definierte Eigenkapitalquote), Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen sowie Rückzahlungsmodalitäten. Zu den Mezzanine-Kapital-Gebern gehören spezialisierte Fonds, Private Equity Gesellschaften und einige Banken.

Mezzanine-Kapital wird wegen des aus Kapitalgebersicht damit verbundenen Risikos typischerweise höher verzinst als Fremdkapital. Durch die Eigenkapitalstärkung und Erhöhung der Liquidität ist Mezzanine-Kapital gut geeignet, eine mögliche, krisenbedingte Insolvenzgefahr zu verringern.

Eigenkapital: Neue Gesellschafter oder Komplettverkauf

Auch die Kapitalerhöhung durch Altgesellschafter oder die Aufnahme von neuen Gesellschaftern führt zur Stärkung des Eigenkapitals und der Liquidität im Unternehmen.

Als Beispiel sei der Unternehmensverkauf mittels eines sogenannten Owners Buy-Out („OBO“) angeführt: Der Owners-Buy-Out ist eine Sonderform des Leverage-Buy-Outs, bei der sich der bisherige Eigentümer an dem verkauften Unternehmen rückbeteiligt. Dies ermöglicht es dem bisherigen Eigentümer, einen Teil seines Vermögens in die Privatsphäre zu überführen (und damit „in Sicherheit zu bringen“), und zeitgleich am zukünftigen Erfolg des Unternehmens weiter zu partizipieren. Als Käufer fungieren meist finanzstarke Private Equity Gesellschaften, die ein weiteres Wachstum der Gesellschaft finanzieren können. Aus Sicht des bisherigen Eigentümers kann bei entsprechend positiver Entwicklung darauf gesetzt werden, dass der Wert der Rückbeteiligung in nur wenigen Jahren höher ist als der heutige gesamte Unternehmenswert.

Auch in der Krise gilt: der Verkauf des Unternehmens oder ein Owners Buy-Out ist eine Option, bei der das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen kann und bei der der bisherige Eigentümer finanziell profitieren kann.

Unser Appell an Unternehmen: Prüfen Sie auch in der Krise die Möglichkeiten einer Unternehmens!